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Hl.HildegardHILDEGARD VON BINGEN - Äbtissin, Mystikerin, Kirchenlehrerin 

Hildegard wurde im Sommer 1098 als das zehnte Kind einer rheinfränkischen Familie geboren und kam mit acht Jahren in die Obhut der mit ihr verwandten, 16-jährigen „Reklusin“ (Zurückgezogene in einer Einsiedelei) Jutta von Sponheim. Mit ihr und einer weiteren jungen Frau wurde sie 1112 beim Benediktinerkloster Disibodenberg in eine Klause geschlossen, zu der weitere Frauen stießen, bis daraus eine eigene Gemeinschaft entstand, die Hildegard ab 1136 und trotz ihres kränklichen Naturells als Meisterin führte. Ab 1141 wurden Hildegards Visionen, die sie schon als Kind hatte, „unwiderstehlich stark“, und sie begann, diese sowie ihre medizinischen Erkenntnisse aufzeichnen zu lassen. Gleichzeitig mit der Entfaltung ihres theologischen, prophetischen, dichterischen und naturkundlichen Talents wurde sie zu einer vielgefragten Ratgeberin, an die sich immer höher gestellte Persönlichkeiten wandten. 1151 zog sie mit 18 Schwestern auf den Rupertsberg bei Bingen, wo sie ein eigenes Kloster gründete. Von dort aus unternahm sie mit päpstlicher Genehmigung regelrechte Predigtreisen, die ihr die Beinamen „Prophetissa teutonica – deutsche Prophetin“, „Rheinische Sibylle“ und „Posaune Gottes“ einbrachten. Hildegard redete dem verweltlichten Klerus ins Gewissen und mahnte auch Kaiser Friedrich Barbarossa wegen dessen Unterstützung eines Gegenpapstes. 1165 gründete sie wegen der Überfüllung des Rupertsberger Klosters eine neue Niederlassung in Eibingen bei Rüdesheim und öffnete dieses Haus auch für nichtadelige Frauen. 
Neben ihrer Tätigkeit als Seelsorgerin verfasste Hildegard zahlreiche Werke, die von der enormen Weite ihres Interessenhorizonts zeugen. Sie legte Bibelstellen aus, bezog Stellung in politischen Auseinandersetzungen und komponierte Musikstücke. Heute gilt Hildegard als bedeutendste Schriftstellerin des gesamten christlichen Mittelalters. Obwohl ihr eigentliches medizinisches Werk nicht mehr erhalten ist, verbinden heute viele Menschen Hildegard vor allem mit ihrer Naturheilkunde. Es ist besonders ihr ganzheitlicher Ansatz, der in der Gegenwart Anklang findet. Die heute vorliegenden Abschriften, welche etwa 100 Jahre nach Hildegard entstanden, verdeutlichen ihr Bemühen, den Menschen als Teil der Schöpfung zu behandeln: So schrieb sie über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, aber etwa auch über die weibliche Sexualität. Besonders richtungsweisend war Hildegards Verknüpfung griechisch-römischer und regionalerKräuterkunde. Als Getreide empfiehlt sie besonders den Dinkel.
Papst Benedikt XVI. hielt im September 2010 in seinen Generalaudienzen zwei Katechesen über sie. Ein Auszug daraus: „Zum Beispiel fasst sie in einem ihrer bekanntesten Werke mit dem Titel Scivias („Wisse die Wege“) in 35 Visionen die Ereignisse der Heilsgeschichte, der Schöpfung der Welt bis zum Ende der Zeiten zusammen. Alles Irdische ist für Hildegard Zeichen für eine übernatürliche Wirklichkeit. Die ganze Schöpfung weist auf den dreifaltigen Gott hin, sie ist eine Symphonie des Heiligen Geistes, sagt sie, der selbst Freude und Jubel ist. Mitte der Erlösung ist gleichsam die Vermählung zwischen Gott und Mensch, die sich in der Inkarnation vollzogen und im Kreuz zu ihrer Tiefe hin vollendet hat. Die Kirche, so Hildegard, erhält als Brautgabe den Leib und das Blut Christi, die sie in jeder Messe Gott zum Dank darbringt und damit diesen Ehebund – den Bund zwischen Gott und Mensch – erneuert. Die Gläubigen sind dabei nicht nur passive Zuschauer, sondern sie sind eingeladen, sich zu öffnen und bereit zu sein, selbst in diesen Bund lebendig einzutreten.“

Verehrung: Sie starb am 17.09.1079 im Alter von 81 Jahren (Gedenktag).
Hildegards Leichnam kam nach der Zerstörung des Rupertsbergs im Dreißigjährigen Krieg nach Eibingen, wo seit 1904 wieder Benediktinerinnen leben. Ihre Heiligsprechung wurde gleich nach ihrem Tod betrieben, scheiterte aber am Kompetenzgerangel zwischen Rom und Mainz und kam formal nie zum Abschluss. Im Mai 2012 ordnete Papst Benedikt XVI. die Aufnahme der großen Mystikerin in den Heiligenkalender der Kirche an und erhob sie im Oktober 2012 zur Kirchenlehrerin. 
https://www.gdg-st-franziskus.de/e6349255-9ea3-4465-9bab-0713406105d9" alt="" width="205" height="273" />Dargestellt wird sie als Äbtissin mit Buch und Schreibfeder, diktierend oder Almosen verteilend. Sie ist Patronin der Sprachforscher, Naturwissenschaftler und Esperantisten

Zitate der Heiligen:

  • Die Augen sind die Fenster der Seele
  • Der gläubige Mensch richtet sein Trachten 
    immer auf Gott, dem er in Ehrfurcht begegnet. 
  • Denn wie der Mensch mit den leiblichen Augen
    allenthalben die Geschöpfe sieht, so schaut er im Glauben überall den Herrn.
  • In der Musik hat Gott den Menschen die Erinnerung an das verlorenen Paradies hinterlassen.
  • Der Mensch muss sich aber hüten, durch zu viel Arbeit seinen Leib zu töten.
  • Der Mensch sollte alle seine Werke zunächst einmal in seinem Herzen erwägen, 
    bevor er sie ausführt.
  • Drei Pfade hat der Mensch in sich, in denen sich sein Leben tätigt: 
    die Seele, den Leib und die Sinne.
  • Wir müssen auf die Stimme unserer Seele hören, wenn wir gesunden wollen.
  • Erkennt der Mensch die Freude, die ihm von einem anderen entgegenkommt, so empfindet er in seinem Herzen ein tiefes Entzücken.

Quellen und weitere Informationen:
 www.bistum-augsburg.dewww.katholisch.de;  www.abtei-st-hildegard.de