Geschichte der St. Matthias-Bruderschaft

Die Verehrung des Heiligen Matthias im Rheinland hat eine Jahrhunderte alte Tradition. Das bezeugen die vielen Bruderschaften, die sich jedes Jahr auf den Weg zu Fuß nach Trier machen.

In Arnoldsweiler hat es keine Matthias-Bruderschaft gegeben, doch schloss sich jedes Jahr eine Gruppe Fußpilger der Prozession von Lich-Steinstraß an, die in Arnoldsweiler Station macht. Diese Pilger waren auch Mitglieder in der St.-Matthias-Bruderschaft Lich-Steinstraß. Immerhin war die Gruppe so groß, dass sie einen eigenen Brudermeister aus ihren Reihen wählen konnte. Der letzte, langjährige Brudermeister war Arnold Göddertz.



Eigentlich ist die kommunale Neugliederung schuld am Zustandekommen der St.-Matthias-Bruderschaft Arnoldsweiler. Weil es die Dürener Straße in Düren zweimal gab, wurde die Straße in Arnoldsweiler umbenannt in die Trierer Straße. Als Grund wurde angeführt, dass auf dieser Straße jedes Jahr die Prozessionen aus Rheindalen und Lich-Steinstraß ihren Weg weiter nach Trier gehen.

Diesen Grund nannte auch der damalige Stadtverordnete Heinz-August Gasper 1974 dem neuen Pfarrer, Rudolf Wyrsch. Dieser war jedoch bereits mit dem "Matthias-Bazillus" infiziert und wollte nicht glauben, dass Arnoldsweiler nicht selbst die Trierer Straße als Pilgerweg nutzt. Also steckte er Heinz-August Gasper mit seiner Begeisterung an, fand noch Josef Strassfeld, Matthias Berg und Heinz Hanf und hatte damit die erste Pilgergruppe beisammen. Küster und Organist Jakob Laufs verlegte seinen Arbeitsplatz ins Auto und wurde für Verpflegung und den Transport des Gepäcks zuständig.

Am 21.6.1975 startete die Gruppe nach einer gemeinsamen Messfeier in der Pfarrkirche, um über Hergarten, Oberreifferscheid, Ormont, Schönecken, Biersdorf und Auw in 7 Tagen über Wanderwege des Eifelvereins nach Trier zu wandern. Die tägliche Messfeier und Beten des Rosenkranzes waren das religiöse Gerüst des Wallfahrtstages.

Man war von dieser Art des Wanderns und Betens so beeindruckt, dass im Jahr 1976 schon 16 Pilger, davon sechs Frauen, am 21.8.1976 sich auf den Weg nach Trier machten, diesmal in sechs Tagen über Wolfgarten, Gemünd, Kloster Steinfeld, Blankeinheim, Jünkerath, Gerolstein, Birresborn, Bitburg, Oberweis und Irrel.

Ab 1977 wählte man den heute noch gültigen Wallfahrtstermin, die Woche von Christi Himmelfahrt und eine neue Wegstrecke, die zum großen Teil auch heute noch gilt. Gestartet wird am Muttergotteshäuschen in Düren (also immer noch nicht in der Trierer Straße) über Drove nach Gemünd, Ormont, Schönecken, Biersdorf und Minden.

Erkenntnisse der 4. Wallfahrt 1978:
Auch ältere Menschen können bei richtiger Wegeeinteilung und Unterstützung noch solche Fußpilgerfahrten durchstehen. Die Mischung älterer und jüngerer Pilger wie in diesem Jahr wirkt belebend auf den Wallfahrtsablauf. Das Mitführen eines Pilgerkreuzes war die Idee. Warum ist die uns nicht eher gekommen?

Um die wachsende Pilgergruppe besser betreuen und damit die wachsende Anforderung an die Organisation besser bewältigen zu können, suchte man um Aufnahme in die Erzbruderschaft nach. Diese Aufnahme wurde am 10.3.1979 durch den damaligen Abt Athanasius vollzogen.

Zum Ersten Brudermeister wurde Heinz-August Gasper und zum Ehrenbrudermeister Arnold Göddertz gewählt. Weitere Brudermeister wurden Elfriede Thelen, Hans-Josef Reimer, Klaus Biester und Heinz Hanf. Damit hatten auch die Matthiasbrüder und -Schwestern, die sich bisher nach Lich-Steinstraß orientierten, eine neue Heimat gefunden.

Das erste Prozessionskreuz, das auf der Wallfahrt mitgeführt wurde, war das Beerdigungskreuz der Pfarrgemeinde. Glücklicherweise ist in den Wochen, in denen es auf der Wallfahrt benutzt wurde, niemand gestorben. Erst 1999 wurde ein neues wunderschönes, aber schweres Pilgerkreuz von den Benediktinern in Maria Laach angeschafft. Ergänzt wurde es 2002 durch ein einfacheres und leichteres Kreuz. Beide Kreuze werden zum Auftakt der Wallfahrt und vor dem Einzug in die Basilika festlich geschmückt.

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Wie viele andere Bruderschaften auch hat die SMB Arnoldsweiler ein Wahlfahrtskreuz aufgestellt. Es steht an der Kreuzung Udenbreth/Hellenthal am Anfang eines Waldstückes. Es ist ein altes Grabkreuz, das von Malermeister Krumbach liebevoll restauriert wurde. Im Okt. 1982 wurde es aufgestellt, bei der Wallfahrt 1983 wurde es von Pfarrer Wyrsch eingesegnet. 1990 überstand es unversehrt den Sturm "Wibke", der in diesem Waldstück großen Windbruch verursachte. Im Herbst 2002 wurde es erneut von der Firma Porschen in Nord-Düren repariert und restauriert. Bei der Wallfahrt 2003 leuchtete es noch in voller Pracht, bereits bei der nächsten Wallfahrt mussten wir feststellen, dass der Korpus beschädigt war. Und jetzt heißt das Motto zu unserem Kreuz: "Ihr seid meine Füße".

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Nachdem das Kreuz zur erneuten Restaurierung im Juli 2005 nach Arnoldsweiler geholt wurde, meldete sich ein Hellenthaler Bürger, der die abgebrochenen Füße gefunden hatte.

Von unserem leider viel zu früh verstorbenen Pilgerbruder Josef Sprenger stammt die Plakette, die die Opferkerze am Grab des Heiligen Matthias in Trier schmückt:

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Heute pilgern etwa 30 bis 35 Leute jährlich betend und singend zum Grab des Apostels Matthias nach Trier. Viele davon sind vom "Matthias-Bazillus" befallen, ein paar waren schon 25-mal dabei, eine ganze Reihe schon mehr als 10 Mal.

Seit 2003 gibt es auch eine Kinder- u. Jugendwallfahrt. Fünf Mädchen und drei Jungen machten sich mit ihren Betreuerinnen und Betreuern am heißen Christi Himmelfahrtstag 2003 auf den Weg, um auf ausgesuchten Etappen, ebenfalls betend und singend, den Spuren der Erwachsenen zu folgen. Auch diese Gruppe führt ein (selbst gebasteltes) Pilgerkreuz mit sich, das mit demselben Stolz und Ernst getragen wird.

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Beide Gruppen treffen sich an einem Brunnen, kurz bevor es hinunter nach Trier geht. Gemeinsam wird dann in die Basilika eingezogen.

Auch bei den Kindern und Jugendlichen ist die Begeisterung für die Wallfahrt ansteckend. Die Gruppe ist in 2005 auf 14 Kinder und Jugendliche angewachsen, die Teilnehmer von 2003 waren alle dabei.

Messen, Rosenkränze, Lieder und Meditationen bestimmen den Wallfahrtstag. Sie werden nach Vorgabe der Jahreslosung jedes Jahr aufs Neue von verschiedenen Mitgliedern der Pilgergruppe zusammengestellt. Auf diese Weise wird eine vielfältige Sichtweise auf ein Thema erzielt. Jedes Jahr wird ein Pilgerbericht erstellt, für den sich ein Mitpilger "freiwillig melden muss". So sind viele an der Gestaltung einer Wallfahrt beteiligt.

Rudolf Wyrsch, Mitbegründer und langjähriger Präses der SMB Arnoldsweiler, widmete der SMB Arnoldsweiler zum 25-jährigen Jubiläum ein von ihm verfasstes Matthiaslied, das bei der Wallfahrt 2005 große Zustimmung fand und natürlich ausprobiert wurde:

Sankt Matthias wir verehren,
der gewählt ist in die Schar
der Apostel, die uns lehren,
dass er stets ein Jünger war.
Froh und dankbar lasst uns singen.
Unser Lob soll oft erklingen,
weil der Herr ihn hat erwählt.

Sankt Matthias wir vertrauen,
wenn im Leben Leid uns quält,
und in Not auf ihn wir schauen,
der zu den Aposteln zählt.
Zuversichtlich lasst uns flehen,
dass wir hilfbereit ihn sehen,
der von Jesus ist erwählt.

Zum Matthiasgrabe lenken
wir die Schritte Jahr um Jahr.
Gottes Wort wir neu bedenken,
dessen Macht wird offenbar.
Sankt Matthias lasst uns ehren.
Er kann Hilfe uns gewähren
unser ganzes Leben lang.

Unterwegs wir es erleben,
dass die Wallfahrt gut gelingt,
wenn wir uns die Mühe geben,
die das Pilgern mit sich bringt.
Gottes Namen lasst uns nennen
und den Glauben stets bekennen,
den Gott noch vermehren kann.

Schwer fällt manche Pilgerreise,
bis man endlich ist am Ziel.
Sie schenkt dann auf ihre Weise
ein ganz neues Glücksgefühl.
Ohne Ende lasst uns hoffen,
auch wenn Leid uns hat getroffen.
Jesus unsre Hoffnung stärkt.

Die Verehrung kommt von Herzen,
die dem Jünger Jesu gilt.
Oft erstrahlen hell die Kerzen
beim Gebet vor seinem Bild.
Immerzu lasst uns verkünden:
Liebe kann der Herr entzünden.
Ihre Kraft den Menschen hilft.


Bild
Barocke Steinplastik über dem Mittelportal
der St. Matthias Basilika in Trier


Quellen: 1. Pilgerbericht von 1975, Referat von Rudolf Wyrsch zum 25-jährigen Jubiläum am 10.10.2004
Resi Kluth

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